Noch längst nicht sind alle Flutschäden beseitigt. Im Chaos leben zu müssen ist extrem anstrengend. Zu wissen, was man alles hat, und es dann nicht finden zu können, weil nicht geordnet werden konnte, was eilig vor dem Wasser gerettet wurde, oder auch weil Kellerräume nicht nutzbar sind und Stauraum fehlt, stimmt aggressiv. Eine Koordinierung von Handwerkern gelingt so gut wie gar nicht: Der eine wurde nicht rechtzeitig mit seinem Gewerk fertig, weil Corona zugeschlagen hatte, und der nächste hat noch einen anderen Auftrag abzuarbeiten oder kämpft mit Lieferengpässen. Oftmals steht infrage, ob überhaupt jemand gefunden wird, um einen Arbeitsauftrag zu erledigen. 

Die Angst steckt noch tief in ihnen drinnen.

Bei Starkregen fragen Kinder heute noch ängstlich, ob die Flut wiederkommt. Die Angst steckt noch tief in ihnen drinnen. Alte Menschen, welche noch selbst den Krieg erlebt hatten oder die Zerstörungen und ihre Beseitigung in den Fünfzigerjahren vor Augen haben, verglichen die entstanden Flutschäden mit Bildern von durch Bombenangriffe zerstörten Ortschaften.

Eine extreme Herausforderung.

Home-Office war insbesondere für Alleinerziehende eine extreme Herausforderung. Da sie im häuslichen Chaos ihre Kinder bei den Schulaufgaben betreuen, den Haushalt führen und gleichzeitig ihre beruflichen Aufgaben erledigen mussten. Großeltern standen in der Pandemie wegen der Ansteckungsgefahr ebenfalls nicht zur Verfügung. Ganz unabhängig von der allgemeinen Isolation aller. 

Menschenrechtskonventionen werden nicht mehr beachtet.

Jetzt noch der barbarische Krieg, den Russland gegen die Ukraine führt! Ein Rückfall ins Mittelalter. Menschenrechtskonventionen, die auf das Grauen des zweiten Weltkrieges formuliert worden sind, werden nicht mehr beachtet. Es wird mit dem Einsatz verbotener chemischer und biologischer Waffen gedroht. Ca. 5,5 Millionen Deutsche waren 1943-45 in den Westen geflohen. Jetzt wird mit bis zu 10 Millionen Ukrainern, vorwiegend Mütter mit Ihren Kindern und alte Menschen, gerechnet, von denen eine hohe sechsstellige Anzahl auch in unserem Land ankommen wird. 

Bewältigung der im Hier und Jetzt anfallenden Herausforderungen.

Leiderfahrungen von damals werden zu aktuellen Erinnerungen, Flashbacks können zu Albträumen, starker innerer Unruhe und Verstörtheit führen, ängstlich-depressiverer Rückzug von jeder Teilnahme am Leben können sich hierin begründen. Sich mit den Flutschäden, der dadurch u. U. infrage gestellten existenziellen Absicherung, der Notwendigkeit des kräftezehrenden Wiederaufbaus bzw. der zeitraubenden Sanierungsarbeiten sowie die eingeschränkten sozialen Kontakte in der Vergangenheit können einen Menschen überfordern und erschöpfen. Er bedarf der professionellen Hilfe, um seine innere Orientierung und seine Autonomie zurückzugewinnen, um tatkräftig sich der Bewältigung der im Hier und Jetzt anfallenden Herausforderungen gerecht werden zu können.

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